Windkraft
Zahlreiche Windenergie-Projekte sind seit 2025 in Realisation. Grundsätzlich hat die Windenergie das Potenzial, zu einer tragenden Säule der Schweizer Stromversorgung zu werden – besonders im Winter. Erfolgreiche Projekte und neue politische Rahmenbedingungen könnten den Weg für einen deutlichen Ausbau in den kommenden Jahren ebnen.
Ende 2025 waren in der Schweiz 50 mittlere und grosse Windenergieanlagen in Betrieb. Zusammen produzieren sie jährlich knapp 180 Gigawattstunden Strom. Das entspricht rund 0.3 Prozent des nationalen Stromverbrauchs und deckt den Bedarf von 40’000 Vierpersonenhaushalten. Die Anlagen verteilen sich auf elf Standorte in den Kantonen Bern, Graubünden, Jura, Luzern, Tessin, Uri, Waadt und Wallis.
Die Windenergie erbringt rund zwei Drittel ihrer Jahresproduktion im Winterhalbjahr. Damit ergänzt sie die Solarenergie ideal, deren Produktion in dieser Zeit geringer ausfällt. Sie kann deshalb in Zukunft eine relevante Rolle für die Energiewende spielen.
Das Potenzial der Windenergie in der Schweiz ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Die Umweltallianz strebt eine Erhöhung der jährlichen Stromproduktion auf 3’100 Gigawattstunden an. Je nach Anlagentyp entspricht dies 215 bis 310 Windenergieanlagen. Die Projekte, die derzeit in Planung, im Bewilligungsprozess oder im Bau sind, könnten zusammen fast 2’000 Gigawattstunden Strom pro Jahr liefern. Die Analyse dieser Projekte zeigt aber auch, welche Hürden die Umsetzung von Windenergieanlagen erschweren und insbesondere die Verfahren verzögern:
Projektanpassungen und Redimensionierungen aufgrund von Planungsmängeln, insbesondere bezüglich der Einhaltung umweltrechtlicher Vorgaben;
mehrstufige Bewilligungsverfahren mit Nutzungsplanung und separaten Baubewilligungen, die in der Vergangenheit beide mittels Beschwerden – insbesonders von Anti-Wind-Organisationen und Privatpersonen – gerichtlich angefochten werden konnten.
Zudem ist die Umsetzung von Windenergie-Projekten im Kanton Freiburg, der eigentlich sehr gute Wind-Verhältnisse aufweist – aufgrund der kantonalen Gesetzeslage praktisch unmöglich.
Gleichzeitig zeigen aktuelle Projekte auch, wie Windenergieanlagen in der Schweiz realisiert werden können:
mit einer sorgfältigen Planung,
der Projektbeteiligung lokaler Personen oder Unternehmen und
einem guten Zusammenspiel der einzelnen Behörden.
Volksabstimmungen zur Windenergie zeigen, dass die Akzeptanz von konkreten Projekten sehr hoch ist.
Um die Verfahren zu beschleunigen, hat das eidgenössische Parlament in den letzten Jahren mehrere Vorlagen verabschiedet, deren Wirkung sich schrittweise entfalten soll:
Das Stromgesetz, über das im Juni 2024 abgestimmt wurde, verpflichtet die Kantone sogenannte Eignungsgebiete auszuscheiden, in denen dem Bau grosser Windenergieanlagen grundsätzlich Vorrang eingeräumt wird. Der im September 2025 beschlossene Beschleunigungserlass führt einstufige Plangenehmigungsverfahren ein und ist derzeit in Umsetzung. Die entsprechenden Bewilligungen werden dabei direkt durch die Kantone erteilt. Bereits im Juni 2023 trat zudem der sogenannte «Windexpress» in Kraft, mit dem elf weit fortgeschrittene Projekte automatisch eine Baubewilligung erhielten, für die ein rechtskräftiger Nutzungsplan vorlag.
Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, um die Windenergie in der Schweiz in den kommenden Jahren auszubauen und ihr Potenzial für eine sichere, erneuerbare Stromversorgung besser zu nutzen.