1834 GWh/Winter
Erwartete zusätzliche Winterproduktion
Projektstand

Wasserkraft

Mit dem Stromgesetz erhielt der Ausbau der Wasserkraft Schub. Das Schweizer Stimmvolk beschloss, sechzehn Wasserkraftprojekte prioritär voranzutreiben, um die Winterstromproduktion zu stärken. Die Wasserkraft bildet das Rückgrat der Schweizer Stromversorgung und ist die wichtigste inländische Quelle. Ihre langfristige Sicherung ist deshalb zentral. In den kommenden Jahrzehnten werden bestehende Anlagen erweitert und neue Speicherprojekte realisiert. Daneben müssen Konzessionen erneuert werden. All diese Faktoren prägen wichtige Investitionsentscheide und damit die Entwicklung der Schweizer Wasserkraft.

Die Wasserkraft deckt seit über zwanzig Jahren rund 60 Prozent des inländischen Stromverbrauchs. Davon entfallen etwa 40 Prozent auf die Laufwasserkraftwerke in den grossen Flüssen und 60 Prozent auf Speicherkraftwerke mit Stauseen. Vor allem Letztere stehen aktuell im Fokus der Energiepolitik, da ihre Stromproduktion flexibel steuerbar ist und sie mit den Stauseen Wasser vom Sommer für die Stromproduktion im Winter speichern.

Fünfzehn der sechzehn priorisierten Projekte des Stromgesetz gehen auf den sogenannten «Runden Tisch Wasserkraft» zurück. Dort identifizierten Vertreterinnen und Vertreter der Wasserkraftbranche, der Kantone sowie der Natur- und Landschaftsschutzorganisationen gemeinsam jene Vorhaben, die mit möglichst geringen Eingriffen in Natur und Landschaft den grössten Beitrag zur Erhöhung der Winterspeicherkapazität leisten können. Bestandteil der Einigung waren zudem Ausgleichsmassnahmen zugunsten von Biodiversität und Landschaftsschutz. Das sechzehnte Projekt, Chlus im Prättigau, wurde im parlamentarischen Verfahren ergänzt und ebenfalls von den Umweltorganisationen mitgetragen.

Der Schwerpunkt dieser Projekte liegt weniger auf einer Erhöhung der gesamten Jahresstromproduktion als auf der Erweiterung der saisonalen Speicherkapazitäten. Durch zusätzliches Speichervolumen kann mehr Wasser bis in die Wintermonate zurückgehalten und dann bei Bedarf zur Stromproduktion eingesetzt werden.

Die Projekte befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Einzelne Vorhaben – etwa Chlus, Trift oder Grimsel – haben bereits ihre Konzessionen erhalten oder die Verfahren laufen. Andere befinden sich noch in der Machbarkeitsprüfung. Das ursprünglich erwartete zusätzliche Winterstrompotenzial von 2’000 Gigawattstunden dürfte voraussichtlich nicht vollständig erreicht werden. Die Gründe dafür liegen überwiegend in technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. So erweisen sich einzelne geplante Staumauererhöhungen aufgrund der Bauwerksgeometrie oder der geologischen Verhältnisse als technisch nicht oder nur eingeschränkt umsetzbar. Zudem verschlechtert eine Redimensionierung einzelner Projekte deren Wirtschaftlichkeit.

Unabhängig von diesen Ausbauprojekten steht die Schweizer Wasserkraft vor einer grundlegenden Erneuerungsphase. In den kommenden zwei Jahrzehnten – insbesondere zwischen 2035 und 2045 – laufen zahlreiche Konzessionen aus und müssen neu vergeben werden. Konzessionen regeln die Nutzung der öffentlichen Wasserressourcen durch die Kraftwerksbetreiber und verpflichten diese zur Entrichtung eines Wasserzinses an die Konzessionsgeber, in der Regel Kantone und Gemeinden. Mit einer maximalen Laufzeit von 80 Jahren schaffen sie die Grundlage für die Amortisation langfristiger Investitionen.

Die Verhandlungen über die Erneuerung vieler Konzessionen haben noch nicht begonnen. Mehrere Kantone, darunter Wallis, Graubünden, Tessin und Uri, haben aber angekündigt, den sogenannten Heimfall auszuüben und die Anlagen nach Ablauf der Konzession zu übernehmen. Solange die Höhe der Entschädigung für die bestehenden Anlagen offen ist, besteht für die heutigen Betreiber jedoch erhebliche Planungsunsicherheit. Dies führt dazu, dass Investitionen in den Erhalt und den Ausbau der Wasserkraft teilweise zurückgestellt werden.

Die Klimaerhitzung wird ebenfalls die Stromproduktion aus Wasserkraft beeinflussen. Die Forschung geht für die nähere Zukunft davon aus, dass die jährliche Stromproduktion durch die Gletscherschmelze weiterhin hoch bleibt oder sogar zunimmt. Mit dem Verschwinden der Gletscher wird sie weiter in der Zukunft aber wieder abnehmen. Durch die höheren Temperaturen wird im Winter mehr Regen fallen, der direkt abfliesst. Dadurch wird sich die saisonale Verteilung der Stromproduktion mehr vom Sommer in den Winter verlagern.

Der Erneuerbaren-Radar zeigt aktuell die sechzehn Wasserkraftprojekte des Stromgesetz und keine weiteren Speicher- oder Laufwasserkraftprojekte.