Erneuerbaren-Radar

Wie kommt der Erneuerbaren-Ausbau in der Schweiz voran? In den letzten Jahren hat die Schweiz umfangreiche Verbesserungen für den Erneuerbaren-Ausbau beschlossen. Allen voran im Stromgesetz wurden Instrumente für 16 spezifische Wasserkraftprojekte, die Solarenergie, Windanlagen und weitere beschlossen. Dazu kamen weitere Gesetzesprojekte.

Der Erneuerbaren-Radar dokumentiert, wie die erneuerbare Stromproduktion auf dieser Basis hier und heute voranschreitet und welche Entwicklungen absehbar sind. Er ordnet diese energiepolitisch ein. Im Fokus stehen Projekte, die sich gerade in Realisierung befinden oder seit 2025 fertiggestellt wurden.

Die erneuerbare Stromproduktion ist eine tragende Säule der Schweizer Strom- und Energieversorgung. Die Wasserkraft deckt seit Jahrzehnten den grössten Teil des inländischen Strombedarfs – im Schnitt rund 60 Prozent. Seit einigen Jahren spielen auch andere erneuerbare Technologien eine immer wichtigere Rolle in der Stromversorgung, insbesondere die Photovoltaik (PV) auf Gebäuden und anderen Infrastrukturen. Auch Windenergie, alpine Solaranlagen und Biomasse leisten Beiträge zu einer diversifizierten und resilienten Stromversorgung.

Die nicht erneuerbare Stromproduktion in der Schweiz beträgt aktuell rund 30 Prozent und stammt vor allem aus Atomkraftwerken. Der Anteil wird in den nächsten Jahren sinken mit der bereits geplanten Abschaltung des AKW Beznau Anfang der dreissiger Jahre.

Mit dem Ausbaustand von Ende 2025 produzieren die erneuerbaren Anlagen in einem durchschnittlichen Jahr über 47’000 Gigawattstunden (GWh). Das entspricht mehr als 80 Prozent des durchschnittlichen Stromendverbrauchs von rund 58’000 Gigawattstunden pro Jahr. Die tatsächliche Stromproduktion und der Stromverbrauch variieren von Jahr zu Jahr in Abhängigkeit von Wetter- und Klimabedingungen, etwa Niederschlägen oder Sonneneinstrahlung.

Mit dem aktuellen Ausbaustand entfallen rund 18’000 Gigawattstunden der durchschnittlichen erneuerbaren Stromproduktion auf das Winterhalbjahr. Das entspricht knapp 60 Prozent des erwarteten Winterstromverbrauchs von rund 31’000 Gigawattstunden. Der Deckungsgrad ist im Winter tiefer, weil dann die beiden wichtigsten Technologien weniger produzieren: Lauf- aber auch Speicherwasserkraftwerke erzeugen aufgrund höherer Abflüsse im Sommer mehr Strom, und auch die Solarstromproduktion fällt wegen der stärkeren Sonneneinstrahlung im Frühling und Sommer deutlich höher aus.

Erwartete Jahresstromproduktion

Ausbaustand Ende 2025

47’389 GWh/a
Total
Anteil Winterstrom
Erwarteter Jahresverbrauch

Die erneuerbare Stromproduktion ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Den grössten Beitrag zum Ausbau leisteten und leisten Photovoltaikanlagen auf bestehenden Gebäuden. Zwischen 2020 und 2025 hat sich ihre installierte Leistung mehr als verdreifacht und die durchschnittliche Stromproduktion ist von 2’800 auf 9’200 Gigawattstunden pro Jahr gewachsen.

Seit 2020 wurden mehrere neue Windenergieanlagen in Betrieb genommen, darunter 2025 vier Anlagen auf dem Gütsch im Kanton Uri. Gleichzeitig befinden sich seit Ende 2025 die ersten alpinen Solaranlagen im Bau; einzelne Anlagen produzieren bereits Strom.

Die Entwicklung der Wasserkraft wird derzeit hingegen vor allem durch die Verfügbarkeit der bestehenden Kraftwerke geprägt, da aktuell nur wenige neue Produktionskapazitäten hinzukommen. Die wichtigsten Projekte zum Ausbau der Wasserkraft beinhalten vor allem Staumauererhöhungen und neue Stauseen, wodurch vor allem die Winterstromproduktion erhöht werden soll. Aktuell fokussiert der Erneuerbaren-Radar nur auf diese Projekte.

Die Stromproduktion aus Biomasse wird hauptsächlich durch die Verfügbarkeit der Kehrichtverbrennungsanlagen bestimmt. Die Produktionszahlen beruhen auf der Annahme, dass rund die Hälfte des verbrannten Abfalls aus erneuerbarer Biomasse, beispielsweise Papier, besteht. Andere Biomasse-Technologien wachsen seit 2020 kontinuierlich auf tiefem Niveau, insbesondere Holzheizkraftwerke und landwirtschaftliche Biogasanlagen. Aufgrund der tieferen Dynamik gegenüber anderen Technologien wird die Biomasse aktuell im Erneuerbaren-Radar nicht weiter vertieft.

Zubau vergangene Jahre

Zusätzliche erwartete Produktion

Im Juni 2024 hat die Schweizer Stimmbevölkerung das Stromgesetz mit über 68 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Damit wurden die Rahmenbedingungen für den Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion wesentlich verbessert. Die neuen Bestimmungen werden schrittweise umgesetzt und durch weitere Gesetzesanpassungen ergänzt. Diese sollen insbesondere den Ausbau alpiner Solaranlagen, der Windenergie, weiterer Grossprojekte sowie des Stromnetzes beschleunigen. Die Auswirkungen dieser Massnahmen werden sich in den kommenden Jahren zeigen und im vorliegenden Erneuerbaren-Radar fortlaufend dokumentiert.