1489.1 GWh/a
Erwartete Jahresproduktion
Projektstand

Alpinsolar

Alpine Solaranlagen sind freistehende Photovoltaik-Installationen in den Bergen. Sie ergänzen die Schweizer Stromversorgung insbesondere im Winter und leisten damit einen Beitrag zur Diversifizierung der Versorgung. Der sogenannte Solarexpress hat solche Anlagen erst ermöglicht, die Realisierung der Projekte bleibt jedoch technisch anspruchsvoll und wird wesentlich durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren bestimmt.

In der Schweiz gab es vor 2025 nur wenige Solaranlagen in alpinem Gebiet, die nicht auf Gebäuden installiert waren. Es handelt sich dabei um sieben Anlagen, die sich mehrheitlich an den Mauern von Stauseen befinden und zusammen rund 5.8 Gigawattstunden im Jahr produzieren. Das Volumen wollte das eidgenössische Parlament im Herbst 2022 relevant erhöhen und verbesserte mit dem sogenannten Solarexpress die Rahmenbedingungen für den raschen Ausbau von alpinen Photovoltaik-Grossanlagen. Die darin enthaltenen Bestimmungen vereinfachen die Bewilligung und ermöglichen eine Einmalvergütung von bis zu 60 Prozent der Investitionskosten.

Der Schwerpunkt liegt auf Solaranlagen in alpinem Gebiet, da diese im Vergleich zu Anlagen im Mittelland einen höheren Anteil ihrer Jahresproduktion im Winter liefern. Bei optimal ausgerichteten Anlagen in den Alpen entfallen rund 40 Prozent der Jahresstromproduktion auf das Winterhalbjahr, im Mittelland sind es im Durchschnitt 27 Prozent bei Anlagen. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich: Oberhalb der Hochnebelgrenze ist die Sonneneinstrahlung im Winter höher, die Reflexion des Sonnenlichts auf der Schneedecke erhöht den Energieertrag und begünstigt den Einsatz bifazialer Solarmodule, die Licht auf Vorder- und Rückseite nutzen. Zudem steigern die tieferen Temperaturen den Wirkungsgrad der Photovoltaikmodule.

Der Solarexpress löste einen Planungsboom für alpine Solaranlagen aus. Zahlreiche Projekte wurden lanciert und rasch vorangetrieben, da die Förderung auf Vorhaben beschränkt war, deren Baugesuch bis Ende 2025 öffentlich aufgelegt wurde. Diese Voraussetzungen erfüllen derzeit 28 Projekte. Rechtskräftig bewilligt sind bislang sieben Projekte. Vier davon befinden sich in der Realisierung und produzieren teilweise bereits Strom.

Gleichzeitig wurden mehr als 30 Projekte sistiert oder zurückgestellt. Die Hauptgründe dafür sind:

  • Ungenügende Wirtschaftlichkeit infolge hoher Baukosten, da sich die Projekte oft in schwierigem Gelände befinden;

  • Fehlende Zustimmung der Standortgemeinden, der lokalen Bevölkerung oder der Grundeigentümerschaften.

Die Analyse der vier derzeit im Bau befindlichen Projekte – Madrisa Solar, SedrunSolar, Nalpsolar und APV Sidenplangg – zeigt mehrere Erfolgsfaktoren:

  • Erschlossene Standorte: Die Nutzung bestehender Infrastrukturen und bereits erschlossener Gebiete senkt die Investitionskosten, verbessert die Akzeptanz bei Bevölkerung und Landschaftsschutz und reduziert Konflikte mit dem Naturschutz.

  • Frühe Umweltabklärungen: Eine gesetzeskonforme Projektierung mit geeigneten Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen, sowie der frühzeitige Einbezug der Umweltverbände verringern das Risiko von späteren Projektanpassungen.

  • Klare Bewilligungsverfahren: Früh kommunizierte Anforderungen der Behörden verbessern die Qualität der eingereichten Unterlagen und beschleunigen die Verfahren. Der Kanton Graubünden veröffentlichte beispielsweise bereits im Juli 2023 einen Leitfaden zum kantonalen Bewilligungsverfahren.

  • Einbezug der lokalen Bevölkerung: Der frühe Dialog mit der lokalen Bevölkerung und Autoritäten und eine Projektbeteiligung lokaler Unternehmen verbessert die Akzeptanz.

  • Langfristige Stromabnahmeverträge: Verträge über die Abnahme und die Bezahlung eines wesentlichen Teils der produzierten Elektrizität mit Stromunternehmen, Stadtwerken oder stromintensiven Unternehmen reduzieren Investitionsrisiken und verbessern die Wirtschaftlichkeit der Projekte.

Der vom Parlament in Rekordzeit verabschiedete Solarexpress schürte sehr hohe Erwartungen für alpine Solaranlagen, die kaum einzuhalten sind. Dennoch spielen die einzelnen realisierten Anlagen eine wichtige Rolle in der Diversifizierung des Strommixes der Schweiz. Die Erfahrungen mit den aktuellen Alpinsolar-Projekten liefern ausserdem wichtige Schlussfolgerungen für andere grosse Energieinfrastrukturprojekte.